Was ist die Eizellreserve?

Hast du dich schon mal gefragt was genau Eizellreserve eigentlich bedeutet? Erfahre alles über die Eizellreserve und was es dir über deine Fruchtbarkeit verraten kann .

In diesem Guide erfährst du alles über deine Eizellreserve und welche Informationen sie dir wirklich geben kann. Sobald du einmal verstanden hast, wie du dieses Wissen für dich nützen kannst, wird es für dich ein Kinderspiel sein dich durch den Dschungel der Fertilität zu navigieren. Solltest du von den wissenschaftlichen Erklärungen einfach nicht genug bekommen, findest du außerdem eine umfassende Liste an Quellen am Ende der Seite.

Einführung zur Eizellreserve

Die Eizellreserve einer Frau ist praktisch ein Vorrat an Eizellen in ihren Eierstöcken. In jedem Monatszyklus beginnen einige der Eizellen in der Eizellreserve zu wachsen. Sobald eine von diesen wachsenden Eizellen dominant wird, kann sie befruchtet werden und eine Schwangerschaft ist möglich [1,2]. Da es essentiell ist genügend Eizellen zu haben um schwanger zu werden, spielt die Eizellreserve eine wichtige Rolle in der Fruchtbarkeitsgeschichte jeder Frau.

Millions of eggs (ovarian reserve) VS. age

Eizellanzahl in Millionen (Eizellreserve) vs. Alter

Jede Frau wird mit rund 1 bis 2 Millionen Eizellen geboren. Diese Nummer fällt bis zum Einsetzen ihrer ersten Periode bereits auf 300.000-400.000 Eizellen. Danach sinkt die Eizellanzahl konstant weiter, wobei jeden Monat circa Tausend Eizellen durch natürlichen Zelltod sterben. Bei Eintritt der Menopause ist die Eizellreserve bereits auf rund 1.000 Eizellen gesunken und eine Schwangerschaft ist nicht mehr möglich [3,4].

Wie kann man die Eizellreserve messen?

Das Anti-Müller Hormon (AMH) ist der aktuellste Marker um die Eizellreserve zu messen. Dieses Hormon wird von den kleinen, wachsenden Eizellen in den Eierstöcken freigesetzt und kann als wertvolles Messinstrument dienen um die Anzahl der verbleibenden Eizellen in den Eierstöcken zu bestimmen.

Die fruchtbare Lebenszeit einer Frau kann nicht allein durch eine Messung ihres Hormonspiegels im Labor einschätzt werden. Ohne korrekte Interpretation bringt der AMH Wert wenig Information. Diese Interpretation sollte altersspezifisch und basierend auf der individuellen medizinischen Vorgeschichte erfolgen: das beinhaltet eine Erhebung des Raucherstatus, Gewicht, medizinischer Erkrankungen, und so weiter. Zusätzlich ist es wichtig zu beachten, dass AMH nur die Anzahl der verbleibenden Eizellen messen kann, jedoch nicht ihre Qualität. Die Qualität ist wichtig wenn es zur Einschätzung der aktuellen Schwangerschaftschancen kommt und nimmt im Alter signifikant ab.

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Welche Faktoren beeinflussen die Eizellreserve?

Im Gegensatz zum verbreiteten Glauben sinkt die Eizellreserve einer Frau sogar wenn sie verhütet oder nicht menstruiert. Nur eine Schwangerschaft scheint diesen Prozess aufhalten zu können, da Frauen mit mehreren Kindern oft später in die Menopause kommen [5]. Einige Therapien, Operationen oder Krebsbehandlungen so wie Strahlen- oder Chemotherapie können die Eizellreserve ebenfalls beeinflussen [3].

Es gibt natürliche Unterschiede in der Anzahl der Eizellen einer Frau und des Beginns ihrer Menopause [2]. Das bedeutet, dass unterschiedliche Frauen im selben Alter eine andere Eizellreserve haben können: deshalb kann ein Eizellreservetest Frauen wertvolle Informationen bieten, die sie in Ihrer Familienplanung unterstützen.

Genetisch kann eine Veranlagung für vorzeitige Ovarialinsuffizienz ebenfalls ein Risikofaktor für ein verfrühtes Eintreten der Menopause sein [3].

Vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI)

Die vorzeitige Ovarialinsuffizienz (Premature Ovarian Insufficiency – POI) wird als „Ovarialinsuffizienz“ in unter 40-Jährigen definiert. Die Diagnose wird bei fehlender Regelblutung über 4 Monate und einem hohen FSH (>40IU/L) sowie niedrigem Estradiol (<50pmol/L) Laborbefund gestellt [6].

Was bedeutet das genau? Einfach gesagt heißt das, dass sich die Eierstöcke bereits viel zu früh im Menopausenmodus befinden. Rund 0.1% der Frauen unter 30 haben POI, bei den unter 40-Jährigen sind es bereits 1-2% [7].

Was sind die Symptome von POI?

Normalerweise sind die Symptome von vorzeitiger Ovarialinsuffizienz denen des Beginns der Menopause sehr ähnlich. Frauen mit POI leiden oft unter Nachtschweiß, Hitzewallungen, Herzrasen, vaginaler Trockenheit, wiederkehrenden Blasenentzündungen und emotionaler Reizbarkeit [8]. Mit der Zeit kann der Mangel an Estradiol zu einer verminderten Knochendichte, einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten (hoher Blutdruck, Herzkrankheiten), und einem erhöhten Risiko für neurologische Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson führen[6]. Diese Effekte können durch den Ersatz von Estradiol im Rahmen einer Hormonersatztherapie behandelt werden.

POI ist oft mit Autoimmunerkrankungen oder genetischen Defekten verbunden, kann aber auch durch Chemotherapie ausgelöst werden. Deshalb ist es wichtig bei Verdacht eine umfassende Kontrolle inklusive Schilddrüsentest, autoimmuner und genetischer Untersuchung zu machen [6,8].

Premature ovarian insufficiency factors

Luisi [8] Ursachen der vorzeitigen Ovarialinsuffizienz

Was bedeutet POI für meine Fruchtbarkeit?

Eines der Symptome von POI sind die fehlenden Monatsblutungen. Trotzdem zeigen bis zu 50% aller Betroffenen spontane Eizellaktivität und können unerwartet schwanger werden. Das ist auch der Grund warum der Name von „vorzeitigem Ovarialversagen“ zu „vorzeitiger Ovarialinsuffizienz“ geändert wurde.

Frauen, bei denen POI diagnostiziert wurde, haben eine 5-15% Chance zu irgendeinem Zeitpunkt nach der Diagnose schwanger zu werden. Für Frauen, die gerne ein Kind hätten, bietet eine Eizellspende die besten Chancen um schwanger zu werden. Das Einfrieren von Eizellen ist eine Möglichkeit um Schwangerschaftschancen nach Chemotherapie zu erhalten [6].

Der Unterschied zwischen vorzeitiger Ovarialinsuffizienz (POI) und verminderter Eizellreserve (DOR)

Wir wissen, dass einige dieser Begriffe wirklich kompliziert und verwirrend sind. Aber keine Sorge, es geht nicht nur dir so – diese Begriffe verwirren uns alle. In diesem Bereich scheinen sich nicht mal Experten auf genaue Definitionen einigen zu können.

In einem Übersichtsartikel, der genau dieses Problem untersucht, wird klar festgestellt, dass vorzeitige Ovarialinsuffizienz und eine sehr geringe oder auch „verminderte“ Eizellreserve (Diminished Ovarian Reserve – DOR) nicht das Gleiche sind [9]. Während POI oft Symptome verursacht und für eine Diagnose ziemlich genaue Kriterien erfüllt werden müssen, die nur Frauen unter 40 betreffen, kann DOR auch in Frauen über 40 auftreten und ein normaler Befund sein. Die Definition von verminderter Eizellreserve kann von Arzt zu Arzt unterschiedlich sein, aber das staatliche Register des American Center for Disease Control and Prevention sieht einen AMH Wert <1.0ng/mL als Grenzwert [10]. Das bedeutet, dass eine verminderte Eizellreserve durch Eizellreservetests gemessen werden kann.

Die verminderte Eizellreserve ist ein wertvoller Parameter um das Ansprechen auf hormonelle Stimulation bei künstlichen Befruchtungen einzuschätzen. Dort wird es verwendet um ein mögliches schlechtes Ansprechen vorauszusagen [11].

Trotzdem muss eine verminderte Eizellreserve keinen Einfluss auf Schwangerschaftschancen haben. Vor allem in jungen Frauen unter 35 ist die Qualität der Eizellen normalerweise so gut, dass eine niedrige Eizellreserve ihre Schwangerschaftschancen nicht beeinflusst [1213].

Weitere Infos

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  1. Berek, S. (2002). Novak’s Gynecology, 13th edition. Philadelphia, USA: Lippincott Williams & Wilkins.
  2. Vaskivuo, T.E., Tapanainen, J.S. (2003). Apoptosis in the human ovaryReprod Biomed Online,6(1), 24-35.
  3. Stoop, D. (2018). Preventing age related fertility loss. (Dominic Stoop, Ed.) (1st ed.). Switzerland: Springer International Publishing.
  4. Broekmans, F. J., Soules, M. R., & Fauser, B. C. (2009). Ovarian aging: Mechanisms and clinical consequences. Endocrine Reviews.
  5. Te Velde, E. R., & Pearson, P. L. (2002). The variability of female reproductive ageingHuman Reproduction Update8(2), 141–154.
  6. Vujovic, S., Brincat, M., Erel, T., European Menopause and Andropause Society, et al. (2010). EMAS position statement: Managing women with premature ovarian failureMaturitas67(1), 91–93.
  7. Coulam CB, Adamson SC, Annegers JF (1986) Incidence of premature ovarian failure. Obstet Gynecol 67(4):604–606.
  8. Luisi, S., Orlandini, C., Regini, C., Pizzo, A., Vellucci, F., & Petraglia, F. (2015). Premature ovarian insufficiency: From pathogenesis to clinical managementJournal of Endocrinological Investigation38(6), 597–603.
  9. Pastore, L. M., Christianson, M. S., Stelling, J., Kearns, W. G., & Segars, J. H. (2018). Reproductive ovarian testing and the alphabet soup of diagnoses: DOR, POI, POF, POR, and FORJournal of Assisted Reproduction and Genetics35(1), 17–23.
  10. Centers for Disease Control and Prevention (2015). Reporting of Pregnancy Success Rates From Assisted Reproductive Technology (ART) Programs. Department of Health and Human Services21108. Retrieved from federalregister.gov.
  11. La Marca, A., Sighinolfi, G., Radi, D., et al. (2010). Anti-Müllerian hormone (AMH) as a predictive marker in assisted reproductive technology (ART)Human Reproduction Update16(2), 113–130.
  12. Pereira, N., Setton, R., Petrini, A. C., Lekovich, J. P., Elias, R. T., & Spandorfer, S. D. (2016). Is anti-Müllerian hormone associated with IVF outcomes in young patients with diminished ovarian reserve? Women’s Health (London, England)12(2), 185–92.
  13. González-Foruria, I., Peñarrubia, J., Borràs, A., et al. (2016). Age, independent from ovarian reserve status, is the main prognostic factor in natural cycle in vitro fertilizationFertility and Sterility106(2), 342–347.e2.